Muss man neben dem TSH auch die anderen SD-Werte, insbesondere die Hormone bestimmen?

Nicht selten wird behauptet, der TSH alleine sei nicht aussagekräftig genug, um eine Unterfunktion auszuschließen. Diese Aussage ist jedoch so nicht richtig.

Zum Verständnis betrachten wir einmal die Zusammenhänge etwas genauer. Der TSH ist, wenn Sie so wollen, das Gaspedal für die Schilddrüse. Je mehr TSH vorhanden ist, desto mehr wird die Schilddrüse angeregt, Hormone zu produzieren und auch freizusetzen. Dabei wird die Menge an ausgeschüttetem TSH beeinflusst von der Menge der im Blut befindlichen Hormone, es gibt also Rezeptoren, die den T3 und T4-Spiegel im Blut messen. Sinken diese Werte ab, reagiert das Gehirn (genauer: die Hypophyse) mit einer Mehrausschüttung von TSH, wodurch sich die Werte von T3 und T4 im Blut normalisieren.

Wenn nun die Schilddrüse "von allein" nicht mehr genug Hormon produzieren kann, z. B. bei Jodmangel, oder bei einer Autoimmunerkrankung, reagiert die Hypophyse recht schnell, in dem einfach mehr Gas gegeben wird, sprich, der TSH-Wert ansteigt. Dabei bleiben die Hormone T3 und T4 noch normal. Mit anderen Worten: der erste (bekannte) Laborwert, der messbar bei einer Unterfunktion (übrigens auch bei einer Überfunktion) reagiert, ist der TSH, und zwar weit früher, als die Hormone selbst. Der TSH ist also viel empfindlicher, als die Hormone. Selbst wenn die Hormone noch im Referenzbereich sind, kann man bei erhöhtem (oder erniedrigten) TSH bereits eine beginnende, oder wie man medizinisch sagt, latente Unterfuntion (Überfunktion) erkennen. Behandeln muss man hier noch nicht zwingend (außer bei Jodmangel), denn es sind ja noch genügend Hormone vorhanden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass manche anerkannten Experten eine Therapie der Hypothyreose (Unterfunktion) erst bei einem TSH über 10 mU/l empfehlen. Allerdings gibt es hierzu auch andere Meinungen, denn auch hier besteht wissenschaftlich noch keine Einigkeit. Meine Auffassung ist, dass man das von den Beschwerden des Betroffenen abhängig machen sollte. Der höchste je in meiner Praxis gemessene TSH lag übrigens bei 100mU/l - bei überraschend wenig Beschwerden.

TSH reagiert schneller wie die Hormone

Zurück zum TSH: Immer noch gilt also, dass bei fehlenden SD-typischen Beschwerden die Bestimmung des TSH ausreicht, da, wie gerade erläutert, der TSH ja scheller reagiert wie die Hormone. Nur in ganz selten Fällen wird es einmal anders sein, man kann sicher sagen, dass auf 10.000 bis 100.000 Menschen ein solcher Fall höchstens einmal auftaucht. Allerdings liegt dann immer noch eine andere Erkrankung vor, denn der oben beschriebene Regelkreis kann durch äußere Faktoren gestört werden.

Eisenmangel ausschließen

Wichtig ist aus meiner Sicht auf jeden Fall, dass ein gleichzeitig bestehender Eisenmangel ausgeschlossen wurde (Ferritin bestimmen!), denn Eisenmangel hat tatsächlich einen Einfluss auf die Schilddrüse, außerdem macht Eisenmangel teilweise die gleichen Beschwerden, wie eine Hypothyreose (Müdigkeit, Haarausfall....).

Der Unsinn mit der 50%-Behauptung

Man findet im Internet auch die Behauptung, die freien Schilddrüsenhormone müsse man schon allein deswegen bestimmten, damit man überprüfen kann, ab diese oberhalb der 50%-Marke liegen. Sonst wäre dies ein Grund, auch bei normalem TSH mehr Hormone zu geben. Das ist jedoch - sorry - völliger Unsinn. Es liegt in der Natur der statistischen Verteilung der Laborwerte, dass immer 50% oberhalb und 50% unterhalb der statistischen Mitte liegen. Das ist völlig normal, und keineswegs sind diejenigen, die unterhalb dieser Marke liegen, deswegen krank. Wer so etwas behauptet, dem fehlt es an grundsätzlichem Wissen über Statistik und auch medizinische Zusammenhänge.