Hashimoto - erkennen und behandeln

Über die möglichen Therapien des Hashimoto gibt es viele Diskussionen, leider ist das meiste jedoch bisher ungesichert.

Auch wenn es viele nicht gerne lesen werden, aber Hashimoto an sich muss man gar nicht behandeln, und kann man auch nicht behandeln. Jedenfalls gibt es bisher keine Studie, die ein erfolgreiches Behandlungskonzept dieser Erkrankung vorstellen konnte.

Daher bleibt derzeit nur, die Auswirkungen der Hashimoto zu behandeln, wenn denn welche vorliegen. Bekannterweise ist Hashimoto eine Autoimmunerkrankung, die langfristig zu einem Untergang von Schilddrüsengewebe führt. Beweisend für Hashimoto sind neben einem typischen Ultraschallbild der Nachweis von Antikörpern gegen TPO, oft einfach Anti-TPO, manchmal auch nur TPO oder früher auch MAK genannt. Solange diese Antikörper nicht nachweisbar sind, ist Hashimoto nicht bewiesen, auch wenn das oft anders behauptet wird. Die einzige andere Möglichkeit, diese Erkrankung zu beweisen, wäre eine Punktion der Schilddrüse, und dem anschließenden feingeweblichen Nachweis der typischen Veränderungen gemäß der Erkrankung. Das macht man jedoch nicht, da es keinerlei Konsequenzen hätte.

Sicher scheint, dass es auch eine Erkrankung gibt, die ähnlich Hashimoto verläuft, bei der aber keine Antikörper nachweisbar sind. Hier ist aus meiner Sicht die Diagnose "Hashimoto" nicht gerechtfertigt, ich würde hier von einer "Autoimmunerkrankung der Schilddrüse vom Typ Hashimoto" oder einfach von einer "Autoimmunthyreopathie" sprechen, was jedoch nicht dasselbe wie Hashimoto ist. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass hier in der Zukunft ein anderer, bisher noch unbekannter Antikörper gefunden wird, der im Prinzip aber eine ähnliche Reaktion hervorruft wie die anti-TPO.

Therapiert werden beide Erkrankungen jedoch gleich, in dem man nämlich deren Auswirkungen auf den Organismus behandelt. Da das Schilddrüsengewebe abgebaut wird, wird irgendwann eine Unterfunktion auftreten, die dann mit entsprechender Gabe von SD-Hormon zu behandeln ist. Bisher nicht gesichert ist die oft zu lesenden Behauptung, dass bei Hashimoto soviel Hormon gegeben werden muss, dass der TSH-Wert unter 2,5 oder besser noch unter 1 ist. Dies ist unnötig, denn in den meisten Fällen wird man lediglich mehr Nebenwirkungen in Kauf nehmen müssen, die unglücklicherweise bei der Gabe von zuviel Hormon aber erst nach vielen Jahren auftreten - dann aber nicht mehr oder nur schwer zu korrigieren sind, z. B. eine Herzschwäche oder Osteoporose.

Eine Senkung des TSH auf niedrige Werte ist also unnötig und beeinflusst dann weder die Erkrankung und den Verlauf positiv, noch werden Beschwerden weiter reduziert. Allerdings gibt es offensichtlich einen individuellen Normalwert für jeden Patienten (der unabhängig von den Referenzwerten eines Labors sein kann). Daher kann es individuelle Unterschiede hinsichtlich eines optimalen TSH-Wertes geben, in Einzelfällen kann also eine höhere Gabe von Hormon sinnvoll sein.

Oft neigen Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion zu einer Melancholie oder Stimmungsschwankungen. Dies wird der Unterfunktion zugeschrieben, ein echter Beweis, dass Depressionen bei Hashimoto häufiger auftreten, ist jedoch bisher (entgegen mancher Behauptung) nicht gelungen. Man hat aber festgestellt, dass bei Depressionen nicht selten bestimmte Hirnanteile mit zuwenig Schilddrüsenhormon versorgt werden, leider ist die Ursache noch unbekannt, und das Phänomen kann auch ohne Hashimoto auftreten. Und leider lässt sich das auch nicht mit einer Erhöhung der Hormondosis behandeln, die Unterversorgung bleibt meist bestehen. Insofern ist nach bisherigen Forschungsstand die Einnahme von Antidepressiva sicherer und zielführender.