Jod ist gefährlich bei Hashimoto

Vielfach im Internet wird behauptet, dass Jod bei Hashimoto schlecht sein soll. Überzeugende Fakten dazu habe ich jedoch bisher nicht finden können. Auch eine Internetrecherche führte mich zu keinem anderen Ergebnis, bisher gibt es keine überzeugenden Studien, die eine solche Gefahr nachweisen konnten. Der mancherorts empfohlene Hinweis, bei Hashimoto auf Jod zu verzichten, ist bisher wissenschaftlich nicht abgesichert.

Ich habe sowohl in Fachbüchern wie auch in Studien nachgeforscht, auch in den Kontraindikationen (also Gegenanzeigen) der Jodmedikamente habe ich keinen Hinweis gefunden, dass Jod bei Hashimoto kontraindiziert wäre. Und wenn es wirklich einen nachgewiesenen (!) Schaden gäbe, wäre es dort in der Regel schon aus juristischen Gründen zuerst vermerkt.

Nach allem, was ich finden konnte, stellt sich für mich die Situation wie folgt dar:

  1. Die Jodgabe bei Hashimoto wird derzeit allgemein nicht empfohlen. Allerdings konnte in einer kleinen Studie sogar ein positiver Effekt bei niedrig dosierter Jodgabe auf Hashimoto und deren Verlauf nachgewiesen werden. Ob sich dies generell verallgemeinern lässt, muss sicher durch groß angelegte Studien erst noch bestätigt (oder widerlegt) werden. 
  2. natürliche Jodeinnahme in Nahrungsmitteln hat keinen Einfluss auf Hashimoto und ist daher auch nicht gefährlich. Das Bundesamt für Risikobewertung konnte jedenfalls in einer weltweiten Studienanalyse keine entsprechenden Fakten finden, nach denen Jod in Nahrungsmitteln bei Hashimoto gefährlich sein soll

Alles weitere erscheint mir doch eher spekulativ zu sein. Es wird auch nicht richtiger dadurch, dass es auf vielen Internetseiten von Selbsthilfegruppen veröffentlicht wird.

Übrigens: Hashimoto wird (zumindest in der Phase, in der es zu einer Unterfunktion kommt) mit Schilddrüsenhormonen behandelt. Diese enthalten auch Jod - ohne Jod wären es keine Schilddrüsenhormone.

Allerdings gab es Hinweise (aus kleineren Studien), dass eine übermäßige Jodzufuhr ein gewisses Risiko darstellt, an einer Autoimmunthyreoiditis zu erkranken. Nachdem erste Studien entsprechende Hinweise lieferten, wurde in Deutschland eine große randomisierte Studie zur Klärung dieser Frage durchgeführt. Ein eindeutiges Ergebnis, dass Jod wirklich eine Autoimmunthyreoiditis auslösen oder verschlimmern kann, ergab sich jedoch nicht. Es scheint auch so zu sein, dass die mögliche Wirkung von übermäßige Jodzufuhr abhängig ist vom Selenspiegel im Gewebe. So kann möglicherweise eine übermäßige Jodzufuhr (die weit oberhalb der therapeutischen Bereiche der Jodtabletten liegt) dann eine Autoimmunthyreoiditis begünstigen, wenn gleichzeitig ein Selenmangel vorliegt. Alles andere ist jedoch bisher reine Spekulation und dient nur der Panikmache der Betroffenen.