Aspirin

Acetylsalicylsäure, allgemein bekannt unter dem Namen Aspirin oder ASS, ist eines der ältesten chemischen Medikamente überhaupt. Ursprünglich entwickelt zur Linderung von Schmerzen, findet man auch heute noch neue Einsatzmöglichkeiten für dieses Medikament. Schon länger bekannt ist, dass es in der Prävention von Durchblutungsstörungen zum Beispiel bei der koronaren Herzkrankheit oder bei Verengungen der Halsschlagader (sog. Karotisstenose) eingesetzt wird.

Jetzt jedoch hat man festgestellt, dass man Aspirin auch zur Chemotherapie bei Krebs einsetzen kann. Wie funktioniert das?

Man weiß heute, dass in Tumorzellen Mutationen der Gene stattfinden. Dies bedeutet, dass sich innerhalb der Gene Veränderungen zeigen, die überhaupt erst dazu führen, dass diese Zellen dann stetig wachsen und sich teilen - ein wesentliches Merkmal nahezu aller bösartigen Tumore.

Nun haben etwa 10% aller Darmkrebsarten eine Veränderung im Gen PIC3CA. Dies führt vereinfacht ausgedrückt über einen bestimmten Mechanismus zum Wachstum des Tumors. Genau dieser Mechanismus wird aber durch Acetylsalicylsäure gehemmt. Dies scheint nach bisherigen Erkenntnissen so zuverlässig zu sein, dass man nach der Entfernung des Tumors als einzige "Chemotherapie" täglich 100 mg ASS einnehmen muss, um Metastasen (Tochtergeschwülste) zu verhindern. Damit wird ASS wohl für alle Zeiten das billigste und nebenwirkungsärmste Chemotherapeutikum sein, da 1 Tablette nur 0,04 Euro kostet. Wenn man bedenkt, dass manche Chemotherapie 100 Euro, in manchen Fällen noch viel mehr pro Tag kostet, dazu schlechter wirksam ist und meist auch mit deutlich mehr Nebenwirkungen behaftet ist, ist das für mich eine kleine Sensation, wenn sich in weiteren Studien die Wirksamkeit der ASS tatsächlich bestätigen lässt!

Das PIC3CA Gen kann übrigens jeder Pathologe bei der feingeweblichen Untersuchung des eingesandten Tumors bestimmen, wenn es vorhanden ist.