Borreliose

Die Borreliose ist eine bekannte Infektionskrankheit, die durch den Biss von Zecken übertragen werden kann. Im Unterschied zu der ebenfalls von Zecken übertragenen Frühsommermeningoenzephalitis, kurz FSME oder Hirnhautentzündung genannt, gibt es gegen die Borreliose bisher keine Impfung.

Übertragen wird die Krankheit dann, wenn sich der Erreger mit Namen Borrelia burgdorferii im Darm der Zecke befindet (bei ca. 10% der Zecken - regional unterschiedlich) und der Biss über einen bestimmten Mindestzeitraum besteht. Eine Zecke kann mehrere Tage am Körper verweilen, und nimmt nach einem schmerzfreien Biss in dieser Zeit eine kräftige Blutmahlzeit ein. Experten gehen davon aus, dass es frühestens 12-24 Stunden nach dem Biss zu einer Übertragung der Borrelien in unseren Körper kommt. Es gibt zwar Berichte, dass dies auch schon früher geschehen kann, jedoch ist das wissenschaftlich umstritten.

Nach der Infektion wandern die Erreger kreisförmig vom Biss ausgehend in der Haut, wodurch die typische Wanderröte, auch Erythema migrans bezeichnet entsteht. Diese ist beweisend für eine Infektion, eine Therapie mit Antibiotika, meist Doxycyclin, für ca 14 Tage sollte erfolgen. Nicht in allen Fällen soll diese Wanderröte auftreten, manchmal treten nach einer Zeckenmahlzeit auch nur Grippe artige Beschwerden auf. Ob hier dann eine Antibiotikatherapie sinnvoll ist, kann nur individuell zwischen Arzt und Patient entschieden werden. Eine Blutuntersuchung zum Beweis der Infektion gibt es in dieser Phase leider nicht.

Ein Großteil der Infektionen heilt übrigens auch ohne Antibiotika folgenlos ab. Nur in einem geringen Teil tritt die Borreliose in ein späteres Stadium ein, welches ganz unterschiedliche Beschwerden machen kann. Typisch sind z. B. Herzrhythmusstörungen oder eine Entzündung eines Gelenks, auch Nervenschmerzen werden beschrieben. Eine weitere Spätform der Borreliose ist die Neuroborreliose, bei der Rückenmark und Gehirn befallen werden.

Wichtig: In allen diesen Fällen ist eine Behandlung mit Antibiotika möglich, eine Gabe über einen Zeitraum von 2 - 4 Wochen ist ausreichend. Danach heilt die Erkrankung ab, allerdings können Restbeschwerden lebenslang bestehen bleiben. Diese sind jedoch (wie auch z. B. bei der Neuralgie nach Herpes zoster = Gürtelrose) kein Hinweis auf eine unzureichende Therapie oder weiter bestehende Infektion. Eine erneute Antibiotikabehandlung ist nicht erforderlich und absolut unnötig, es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise, dass hierdurch eine weitere Verbesserung zu erzielen ist.

Verfolgt man die Informationen im Internet über Borreliose, so findet man dort eine unglaubliche Menge an Fehlinformationen über diese Erkrankung. Wie auch in anderen Fällen, z. B. bei der Hashimoto-Thyreoiditis, M. Meulengracht, Amalgam und anderen, wird der Erkrankung eine Unmenge an uncharakteristischen Beschwerden und Verläufen angedichtet, für die es keinerlei wissenschaftliche Hinweise oder Belege gibt. Dabei nutzen manche Ärzte die Not der Menschen (mit vielen, bisher nicht abgeklärten Beschwerden) schamlos aus, führen umstrittene und wissenschaftlich nicht haltbare Diagnostik durch und verkaufen den Betroffenen unnötige und unsinnige Therapien, die vom Patienten dann auch oft noch privat zu bezahlen sind.

Auch eine Borreliosegesellschaft wurde gegründet, die diese wissenschaftlich mehr als umstrittenen Praktiken unterstützt. Dabei hat sie sich selbst den Mantel der Wissenschaft umgehängt, wird jedoch von wissenschaftlichen Fachgesellschaften nicht als solche anerkannt. Letztere haben sich zu der "Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V." zusammengeschlossen. Die Deutsche Borreliosegesellschaft ist jedoch dort nicht vertreten.

Im deutschen Fernsehen war im Frühjahr 2013 ein Film zu sehen, der sich sehr gut mit dieser Thematik auseinander setzt: "Der Zeckenkrieg". Dieser Film kann über die Mediathek einiger dritter Programme angesehen oder herunter geladen werden. Informationen dazu gibt es zum Beispiel hier:

http://www.swr.de/betrifft/betrifft-zecken-fsme-borreliose-krank/-/id=98466/nid=98466/did=9713432/y4xr22/

Auch eine internationale Forschungsarbeit hat sich mit diesem Problem beschäftigt. Die Arbeit wurde in einer der hochrangigsten wissenschaftlichen Zeitschriften weltweit veröffentlicht, wodurch die Seriosität noch einmal unterstrichen wird: Stanek G, Wormser GP, Gray J, Strle F. Lyme borreliosis. Lancet 2012; 379:461-473.

Jeder, der an die Behauptungen dieser selbsternannten Experten glaubt, sollte sich unbedingt damit weiter auseinander setzen und sich den Film "Der Zeckenkrieg" anschauen. Übrigens sind in Deutschland bisher mehr Menschen an den unnötigen Therapien gestorben als an der Borreliose selbst.

Anmerkung: Mir ist sehr wohl bewusst, dass um die Borreliose weltweit derzeit ein sehr emotionaler Glaubenskrieg geführt wird. Ich möchte weder das Feuer schüren, noch Menschen verletzen, die an langen und unerklärlichen Beschwerden leiden. Ich halte es aber für meine Pflicht darzustellen, was derzeit als wissenschaftlich gesichert gilt, und was nicht.

Diese oben angeführten Tatsachen waren Gegenstand einer wissenschaftlichen Fortbildung zu diesem Thema im Mai 2013!